Kleine Beurteilungshilfe für Ihr Logo-Design

14. Juni 2020 | Know-how

Felicitas Knapp, die zwei Studiengänge im Medienbereich abgeschlossen hat, machte sich 2016 in einem branchen-intern vielbeachteten Projekt namens „Logostrator“ Gedanken darüber, ob man an Logos und Signets Qualitätsmaßstäbe anlegen könne. Quasi raus aus dem wolkigen „Ich finde aber das andere schööööner…“ bei Entscheidungsfindungen.

Sie schuf dabei eine Art Checkliste, auf der man Punkte für Einzelkriterien vergeben konnte, und formulierte dabei auch für Gestaltungslaien gut nachvollziehbar, worauf man achten sollte. Die Website logostrator.de gibt es leider nicht mehr, daher fasse ich die sinnvollen und möglichen Kriterien für die Logo-Bewertung hier mal zusammen.

Prägnanz | Reduktion auf das Wesentliche. Ein prägnantes Logo enthält keine überflüssigen Details.

Ästhetik | Nicht durch subjektive Empfindungen definiert. Schriften, Farben, Formen und Bilder innerhalb des Logos passen zueinander.

Aufmerksamkeitswert | Steht in engem Zusammenhang mit der Einzigartigkeit eines Logos. Es kann zum Beispiel durch auffällige Farben, Schriften oder Formen sowie deren Kombination eine Signalwirkung haben.

Zeitlosigkeit | Gemeint im Sinne von Langlebigkeit. Das Logo enthält keine besonders modischen Aspekte, bestes Beispiel sind zeitaktuelle Photoshop-Spielereien wie auffällige Verläufe, allüberall Schatten oder ähnliche gestalterische Moden.

Zeitgeist | Das Logo wirkt nicht veraltet, enthält moderne – nicht modische! – Aspekte. Ein Grund, warum jedes Logo alle zehn Jahre mal nachbearbeitet und ,,aufgefrischt” werden sollte, ohne die grundlegende ldee dabei zu verlassen oder die Wiedererkennbarkeit zu zerstören.

Anwendbarkeit | Die Erfüllung der technischen Anforderungen. Das Logo funktioniert auf allen relevanten Medien. Dazu gehören beispielsweise Tauglichkeit auch in schwarz-weiß, Skalierbarkeit von Flagge bis Favicon und ggf. Animierbarkeit.

Neutralität | Ist das Logo weitgehend assoziationslos, so daß es zu einem lernbaren Symbol werden kann? Beispiele dafür sind das rote Rechteck der Deutschen Bahn oder das magentafarbene T.

Repräsentation des Unternehmens | Durch ein visuelles Element besteht ein direkter Bezug zum Unternehmen, Produkt usw.

Einzigartigkeit | Das Zeichen erinnert nicht an bereits bestehende Logos, weist vor allem keine Ähnlichkeiten zu denen der Konkurrenz auf. Es muss sich in seinem direkten Umfeld, etwa in seiner Branche, abheben und hier einzigartig sein; weitweite Einzigartigkeit ist heutzutage fast unmöglich.

Verständlichkeit | Das Logo ist leicht zu erkennen und zuzuordnen; es enthält keine weit hergeholten Assoziationen.

Zielgruppenorientierung | Ein Logo muss berücksichtigen, wen es ansprechen will. Sollen mehrere Zielgruppen erreicht werden, liegt die Herausforderung darin, einen brauchbaren Kompromiss zu finden.

lnformationswert | Der Betrachter kann sofort erfassen, wofür ein Logo steht. Dies kann bei nicht bereits gelernten Zeichen über die exakte Verbildlichung der Tätigkeit oder über einen textlichen Zusatz geschehen.

Werterepräsentation | Die wichtigsten Werte des Unternehmens spiegeln sich im Logo wider; es kann beispielsweise Verlässlichkeit durch eine robuste Typografie, Umweltbewusstsein mithilfe der Farbe grün ausstrahlen.

(Auch wenn es die Website nicht mehr gibt, das Buch „Logo-Design“ von Felicitas Knapp kann man noch kaufen; hier der Amazon-Link, woanders habe ich es nicht gefunden.)

Die oben beschriebenen Aspekte sind nicht nur für Entwerfer ein guter Leitfaden, sondern natürlich auch sehr nützlich, wenn Sie als Kunde die Entwürfe Ihres Kreativ-Dienstleisters sachlich und kompetent beurteilen möchten.

In diesem Sinne!

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Büro für Design & Text
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